Stimmphänomen Jodeln: archaischer kraftvoller Stimmausdruck auf Lautsilben

ICH JODLE ALSO BIN ICH

Jodeln ist viel mehr als das bekannte Klischee. Jodeln ist ein kraftvolles rufendes Singen ohne Text auf Lautsilben und schnellem Wechsel zwischen hohen und tiefen Tönen. Es ist ein direkter, lustvoller, unzensierter Stimmausdruck von Gefühlen.

Gejodelt wird auf der ganzen Welt. Seit Urzeiten.
Seit je her rufen, juchzen und jodeln Natur –und Bergvölker auf der ganzen Welt, um sich über große Distanzen zu verständigen, um mit Tieren und Göttern zu kommunizieren oder um ihrer Freude, ihrer Trauer, ihrer Kraft, ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen. (Das größte geschlossene Jodelgebiet ist der Zentralafrikanische Regenwald, – dort jodeln die Baka Pygmäen)

Wissenschaftliche Studien besagen, dass sich die komplexe menschliche Fähigkeit zu sprechen aus der vorangegangenen Fähigkeit zur simplen Lautbildung entwickelt hat. Jodeln  ist ein aus dieser Fähigkeit  hervorgegangener archaischer Stimmausdruck, wo die Stimme in ihrem ganzen Umfang  unmittelbar, ungeformt und kraftvoll eingesetzt wird, um Bedürfnisse oder Gefühle auszudrücken. Also um zu  Kommunizieren.

Rufen, Juchzen und Jodeln sind stimmliche Möglichkeiten, die in der reglementierten, zivilisierten Welt, auch aufgrund rigider Erziehung, die darauf abzielt, unsere Impulse zu unterdrücken und zu kontrollieren, verkümmern. Aber als Sehnsucht bleiben sie in uns vorhanden. Jodeln dockt an diese Sehnsucht an und gibt einen Weg vor, diese stimmliche Urkraft in uns wiederzuentdecken.

Das Andocken an diese Urkraft löst Glücksgefühle in uns aus. Daher erleben wir das Jodeln noch intensiver als das Singen als etwas Befreiendes.
Jodeln löst zudem Blockaden im Atemsystem, Kiefer und Zunge. D
ie konkrete Verbundenheit mit sich und den anderen wird spürbar.

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